verein
Logo Industriemuseum

Bilder aus der Gießerei nach der Stilllegung

An dieser Stelle veröffentlicht der Vorstand regelmäßig seine Jahresberichte.

Außerdem finden Sie hier Fotostrecken über besondere Veranstaltungen der vergangenen Jahre.





Bericht eines Blinden

im Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei
über seinen Besuch am 5. August 2018

von Sebastian Fietz, Berlin

Am 5.8.2018 besuchte ich blind mit einem stark sehbehinderten Freund und meiner Mutter (sehend) das Howaldtsche Gießereimuseum in Kiel. Zuvor hatte ich per Mail Kontakt aufgenommen um abzuklären, ob dieses für Blinde geeignet ist.

Wir wurden freundlich empfangen und bekamen zunächst viele Hintergrundinformationen über die Entstehung und Geschichte der Howaldt-Werke bis hin zur Fertigstellung dieses Gebäudes in der Grenzstraße 1 in 1884. Von dem Gebäude konnte ich mir anhand eines Modells einen guten Überblick machen. Anschließend ging es in die zweite Etage. Hier wurde die eigentliche Arbeit gemacht. Um den Schornstein herum befinden sich vier Schmelzöfen mit ihren Schmelztiegeln. Verarbeitet wurden hier hauptsächlich Bronze und Messing. Daraus wurden verschiedene kleine bis mittelgroße Stücke für den Schiffbau gefertigt. So beispielsweise Armaturen und Rohrstücke für Seewasser, da Bronze nicht von Salzwasser angegriffen wird. Eine Auswahl dieser Produkte konnte ich im Anschluss begutachten.

Danach wurde uns die Erstellung der Gießformen praktisch demonstriert. Ausgehend von Holzformen, die in der Mitte geteilt werden können. Die eine Hälfte wird auf den Tisch gelegt. Es wird ein Formkasten, also ein Rahmen, darumgelegt. In diesen wird ein Gemisch aus feinem Sand und 7 % Öl gefüllt und festgeklopft. Der Erste Sand wird gesiebt, um eine optimale Anpassung zu gewährleisten.

Der Formkasten wird nun gedreht, die zweite Hälfte des Modells wird aufgesetzt, zudem wird ein zweiter Formkasten aufgesetzt und ebenfalls befüllt. Jetzt kann man die Formkästen wieder auseinandernehmen, ein Gießloch wird gestochen und das Modell entfernt. Bei hohlen Werkstücken muss noch ein Kern eingesetzt werden. Anschließend werden die Kästen wieder zusammengesetzt und es kann in das Gießloch gegossen werden. Nach dem Abkühlen und Aushärten werden die Rahmen entfernt und der Sand abgeputzt. Der innere Sand wird durch die hohe Temperatur zerstört. Die Werkstücke müssen nun oft noch nachbearbeitet werden. Wir konnten den Gießprozess in der Führung ausprobieren, mit einer Legierung, die einen geringeren Schmelzpunkt hat.

Das Museum kann ich nur empfehlen, dank der Führung und der praktischen Demonstration ist es auch für Blinde hervorragend geeignet. Jeder technisch und geschichtlich Interessierte wird hier auf seine Kosten kommen.

Fazit der Museumsmitarbeiter:


Die Museumsmitarbeiter Dieter Kohtz und Sönke Petersen betreuten die kleine Besuchergruppe und legten ihr Hauptaugenmerk auf Herrn Fietz. Es war erstaunlich für die Beiden, wie schnell und sicher sich Herr Fietz unter Anleitung und Selbstertasten in die gesamte Gießereimaterie „einfühlen“ konnte. Sehr sicher schaffte er es von den Vorbereitungen, über das Einfüllen und Verdichten des Formsandes bis hin zum gussfertigen Stück, die einzelnen Arbeitsgänge zu erledigen. Lediglich die Ausarbeitung des Gießtrichters und der Metallguss wurden (aus Sicherheitsgründen) von Herrn Kohtz durchgeführt. Auch das „Auspacken“ des erkalteten, gegossenen Gussstücks und die Entfernung des noch anhafteten Sandes konnte er gut erledigen. Nach diesen positiven Erfahrungen, wird es für möglich gehalten, weiteren technisch interessierten Blinden bei Einzelführungen bzw. Kleinstgruppen den Besuch des Gießereimuseums zu ermöglichen.


.